Home » Ernährung » BARF

Biologisch Artgerechte Roh(fleisch)

BARF bedeutet nichts anderes als Biologisch Artgerechte Roh(fleisch) Fütterung. Hierbei wird der Hund so ernährt, wie er es in der Natur auch tun würde. Mit rohem Fleisch, hin und wieder etwas Gemüse, bzw. Kräutern, und das war´s. Mittlerweile gibt es eine breite Auswahl an Online Shops, die bereits vorportioniertes Fleisch, tiefgefroren, zu Ihnen schicken. Ansonsten kann Sie der Weg auch zum nächsten Fleischer des Vertrauens führen. Auf Nachfrage ist dort ebenfalls Muskelfleisch, Pansen, etc. zu haben. Frischer geht es nicht.

Und was ist dran am Mythos: BARF ist nichts für Amateure?

Gar nichts! Denn BARF wird oft unnötig verkompliziert. Wenn man nach BARF oder BARF Berechnung googelt findet man Millionen Einträge, welche einem erklären wollen, wie man denn den richtigen Bedarf des eigenen Hundes berechnet und welche Futtermittel gefüttert werden sollen. Dort ist die Rede von Pülverchen, Mittelchen, Ölen, Vitaminzusätzen, uvm. Doch was davon gehört wirklich in eine ausgewogene, artgerechte Ernährung?

Was der Hund wirklich braucht

Ausgehend davon, was der Wolf (von dem der Hund nun mal abstammt) in der Natur frisst, wird klar: Er nimmt verschiedene „Fleischsorten“ zu sich. Muskelfleisch, Sehnen, Bindegewebe, Fettgewebe, Innereien, Knorpel, etc. Dies ist somit die natürlichste Art der Ernährung von Karnivoren und die einzige Voraussetzung für eine gesunde und ausgewogene Ernährung unserer „Sofawölfe. Damit Ihr Hund mit allem Nötigen und Lebenswichtigen versorgt wird, sollten Sie lediglich darauf achten, eine gute Mischung zu verfüttern. Eben nicht nur Muskelfleisch oder nur Pansen.

Die Menge die gefüttert werden sollte hängt von vielen Faktoren ab. Größe, Gewicht, Alter, Aktivität, Stoffwechsel, ob tragend oder säugend, etc. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen: Es sollten 2-4% des Körpergewichts verfüttert werden (bei großen Hunden etwa 2-3 %, bei kleinen Hunden eher 3-4%), am besten aufgeteilt auf 1-2 Mahlzeiten am Tag (je nach BARF Modell).

fertige BARF-Mischungen

Sollten Sie lieber auf fertige BARF-Mischungen zurückgreifen wollen, sollten Sie darauf achten, dass sowohl Muskelfleisch, als auch ein Teil Innereien, sowie Knorpel darin enthalten sind. So beugen Sie Mangelerscheinungen vor, der Magen-Darm-Trakt des Hundes wird nicht mit unnatürlichen Inhaltsstoffen belastet und die Verwertung der Nahrung ist auf höchstem Niveau. Achten Sie dabei jedoch darauf, dass Sie selten bis gar keine gewolften Mischungen geben! Das Futter sollte überwiegend, bzw. immer in Stückform angeboten werden! Warum das so ist, erfahren Sie hier: Warum Stücke besser als Gewolftes sind

Obst oder Gemüse gehört nicht zwingend in den Napf eines Hundes. Sollte Ihr Hund dennoch gern mal eine Möhre oder einen Apfel verspeisen, können Sie ihm diese pur und im Ganzen zum Knabbern geben. Reiben Sie es nicht unter das Futter und „zwingen“ Ihn so dazu es zusammen mit dem Fleisch zu fressen. Für die Gemüse/Obst Muffel unter den Hunden gibt es auch spezielle BARF Modelle, die gänzlich auf pflanzliche Anteile verzichten. Welche Modelle es gibt und wie diese aufgebaut sind erfahren Sie hier: BARF MODELLE

Und welche Vorteile bringt BARF nun?

Durch die artgerechte und natürliche Ernährung werden Durchfälle und Futtermittelallergien nahezu ausgeschlossen. Es kann natürlich sein, das ein Hund am Anfang nach der Umstellung von Trockenfutter auf BARF mit Durchfall reagiert. Dies ist aber darin begründet, dass sich die Magensäfte und Enzyme erst wieder auf fleischliche Nahrung umstellen müssen.

Die geringere Wahrscheinlichkeit von Durchfällen wird begründet durch den besseren Aufbau des Magen-Darm-Traktes. In der Natur sind Wölfe (und auch wildlebende Hunde) teilweise Aas-Fresser. Dabei nehmen Sie ebenfalls jede Menge an Bakterien auf, die für die Darmflora jedoch eher nützlich, statt schädlich sind. Diese Bakterien, wie sie auch in grünem Pansen vorkommen, regulieren die Darmflora und helfen bei der Bildung von Vitaminen, die für den Hund lebenswichtig sind! Außerdem stärken sie das Immunsystem und senken das Risiko von Futtermittelallergien.

Der Hund zeigt außerdem weniger Unruhe und erlebt das Gefühl von Sättigung. Es ist eher auffällig, das viele Hunde, die mit minderwertigem Trockenfutter gefüttert werden, regelrecht hyperaktiv, im Sinne von sehr unruhig, sind. Das liegt daran, dass Inhaltsstoffe wie Getreide, für den Hund sehr schwer verdaulich sind und die Bildung von Stresshormonen fördern!

Der Nährstoffgehalt im Blut, der für das Gefühl der Sättigung sorgen sollte, wird nicht erreicht. Dennoch ist der Magen voll mit dem aufgequollenen Billigfutter. Die Hunde haben ständig das Bedürfnis noch mehr zu fressen, doch es passt nichts mehr hinein. Sie hören auf zu fressen, bevor sie den notwendigen Nährstoffspiegel überhaupt erreicht haben. Bei Frischfleisch wird der Nährstoffgehalt im Blut recht schnell erreicht. Die Hunde sind satt und haben weniger Probleme bei der Verdauung.

Bei bestimmten BARF Modellen gibt es sogar einen „AYCE“ (all you can eat) Tag, wo die Hunde so viel fressen dürfen wie sie wollen. Darauf folgt meist ein Fastentag.

Ein weiter Vorteil von BARF ist die Verminderung von Zahnstein und Maulgeruch!

Ebenfalls wird Problemen wie Lahmheit, Gelenkschmerzen, sowie späteren Knochenproblemen vorgebeugt. Denn in billigem Fertigfutter, welches nicht kaltgepresst wurde, fehlt eine bestimmte Zucker-Eiweiß Verbindung, welche für den Aufbau von Knochen und Gelenkknorpel wichtig ist.

Werden bereits Welpen mit minderwertigem Futter gefüttert, so können schnell Gelenksprobleme, Lahmheit und auch schwerwiegendere Krankheiten wie Hüftgelenks-Dysplasie auftreten. Frischfutter enthält diese knorpelaufbauenden Stoffe jedoch und sorgt somit für ein gesünderes Wachstum.

Auch Blasensteine und Harnwegsinfektionen treten deutlich seltener auf. Dies ist begründet durch die bessere Zersetzung der tierischen Eiweiße, welche dann zu Harnsäure umgewandelt werden. Da diese gebildete Harnsäure deutlich saurer ist, als sie es durch billiges Futter sein könnte, wirkt sie Harnsteinhemmend und desinfizierend.

Ein nicht außer Acht zu lassender Punkt ist die Vorbeugung einer oftmals tödlichen Magendrehung! Durch das Aufquellen von billigem Trockenfutter im Magen, leiert der Magen aus. Die Bänder, welche den Magen halten, werden weicher und instabiler. Die Gefahr einer Magendrehung steigt! Wie BARFEN der Magendrehung noch vorbeugen kann, können Sie auch unter dem Punkt "Warum Stücke besser als Gewolftes sind" nachlesen.

Warum Stücke besser als Gewolftes sind

Die Funktion des Verdauungssystems beim Hund

Fangen wir "oben" an. Der Hund nimmt übers Maul Nahrung auf, diese wird durch den Speichel (anders als bei uns Menschen Vorverdauungs-Enzymfrei!, er dient lediglich zum besseren gleiten der Nahrung beim Abschlucken) gleitfähig(er) und kann durch die Speiseröhre (Muskelschlauch) in den Magen abgeschluckt werden.

Der Hundemagen:

  • er ist im Vergleich zur Körpermasse des Hundes sehr groß
  • er ist sehr dehnfähig bedingt durch seinen faltensackartigen Aufbau
  • er ist verhältnismäßig kurz
  • er besitzt u.a. drei Arten von Drüsen (Hauptzellen zur Vorenzymproduktion, Belegzellen zur Magensäureproduktion [ph-Wert meist < 1] und Nebenzellen zur Schleimproduktion [Schutz der Magenwand])
  • Längs- und Ringmuskulatur
  • keine Klappen am Magenein-/ausgang

Funktionsweise in Kürze:

Der Hundemagen ist ein Muskel. Durch den Schlüsselreiz "Fleisch" (Protein) - an den Drüsen - wird die Magensaftproduktion gestartet. Die Hauptzellen produzieren die Enzymvorstufen "Pepsinogen" und "Kathepsinogen" (inaktiv!), gleichzeitig starten die Nebenzellen mit der Schleimproduktion, die sich schützend vor die Magenwände legt. Die Belegzellen produzieren nun Magensäure.

Erst die Kombination Magensäure mit den Vorenzymen Pepsinogen und Kathepsinogen lassen durch Abspaltung von Aminosäuren bei den Vorenzymen die eigentlich benötigten Verdauungsenzyme "Pepsin" und "Kathepsin" (nun aktiv!) entstehen. (würden direkt diese Enzyme produziert, könnte der Magen sich selber anfangen zu zersetzen, da die schützenden Schleimschicht noch nicht vorliegen würde)

Erklärung zur besseren Verwertung von stückigem Fleisch:

--> "Ziel" des Magens ist ein vorbereiteter Nahrungsbrei der eine bestimmte Partikelgröße unterschreiten muss.

Ist die Nahrung nun "angekommen", fängt der Magen an Magensäure zu produzieren (die Enzymdrüsen sitzen in den Falten des Magens, d.h. je größer die Portion ist, desto mehr entfalten muss sich der Magen und umso mehr Drüsen werden aus den Falten in Kontakt mit der Nahrung gebracht und werden aktiviert).

Der Hundemagen ist ein großer Muskel, der es zur Aufgabe hat die Nahrung durch Walgbewegungen und mit Hilfe der Magensäure zu einem Brei zu "zerreiben".Hierbei wird die Nahrung "schichtweise" abgearbeitet, je dicker die Stücke sind, desto länger benötigt der Magen für diese Arbeit. Während diesem Vorgang arbeiten die Enzyme im Magen und beginnen mit der Zersetzen die Nahrung in Nährstoffe die dann später im Darm aufgenommen werden können.

Ist die Nahrung nun bereits gewolft, d.h. viele kleine Stücke - mit in Relation einer sehr großen Oberfläche - kann die Magensäure hier sehr schnell arbeiten und das Gewolfte ist in sehr kurzer Zeit zu diesem "fertigen" Brei verarbeitet. Sobald diese spezifische Breimasse (Partikelgröße) erreicht ist, wird die Nahrung vom Magen in den Darm übergeben.

Da aber der Magen die Zeit der Verarbeitung zu diesem Brei nutzt um mit Hilfe der Enzyme die Nährstoffe aus der Nahrung vorzubereiten, steht ihm hier deutlich(!) weniger Zeit zur Verfügung (große Stücke = viel Zeit, sehr kleine Stücke/Gewolftes = wenig Zeit).Füttert man nun große Stücke, muss der Magen - mit Hilfe der Magensäure - diese großen Stücke erstmal zerkleinern. Dies dauert bei großen Stücken (durch die in Relation kleine Oberfläche hat die Magensäure auch weniger Angriffsfläche) natürlich entsprechend länger.

Durch diese längere Zeitdauer haben auch die Verdauungsenzyme "Pepsin" und "Kathepsin" deutlich mehr Zeit zum Arbeiten. Beide sind für den Proteinabbau zuständig. Diese Nährstoffe können dann im Darm aufgenommen werden. Auch hier gilt, der Magen gibt die Nahrung erst an den Darm weiter, wenn sie entsprechend zu dem Brei verarbeitet wurde.

Kurz: Je größer die gefütterten Stücke sind, desto mehr Zeit hat der Magen, um entsprechend Nährstoffe für den Darm vorzubereiten!

Kurze Anmerkung: Sättigungsgefühl beim Hund funktioniert ein wenig anders als bei uns Menschen. Der Hund ist "satt" aus einer Kombination von zwei verschiedenen Faktoren. 1) Die Füllung des Magens, je mehr er gefüllt ist, desto "satter" ist er (wie bei uns Menschen) und 2) der Nährstoffgehalt im Blut, sprich je mehr Nährstoffe aus der Nahrung gezogen werden konnten und dem Hund zur Verfügung stehen, desto satter ist er.

Ein Hund wird also immer „satter“ und auch deutlich länger „satt“ sein, wenn er Muskelfleisch am Stück bekommt, als wenn er die gleiche Menge in gewolfter Form bekommt.

Die BARF – Modelle

Im Prinzip unterscheidet man zwischen 6 Modellen. Wobei sich einige davon nur wenig voneinander unterscheiden. Die Grundmenge ist bei allen gleich: 2-4% des Körpergewichts. Wobei diese Mengenangaben nur zur „Orientierung“ dienen. Nimmt ihr Hund zu – reduzieren sie das Futter ein wenig. Nimmt er ab – können Sie auch gern etwas mehr als die angegebenen Prozente füttern!

  • Swanie Simon
  • Kymythy
  • Prey
  • Mogen Eliasen
  • RMB
  • Dr. Ian Billinghurst
Die Modelle in Einzelheiten:







Dieser Beitrag wurde am 23.02.2015 11:57 verfasst.

Zuletzt aktualisiert am 22.04.2017 16:14