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Hammer-Party oder Horror pur?

Silvester… Für die einen eine große Hammer-Party, für die anderen der absolute Horror. Zur „Horror-Fraktion“ zählen leider auch viele Haustiere. Egal ob Hund, Katze, Kaninchen oder Vogel – viele unserer treuen Begleiter haben Angst, wenn draußen scheinbar die „Welt untergeht“. Doch was kann man tun, wenn dem Vierbeiner die Knie schlottern und er vor Angst kaum noch ansprechbar ist? Gibt es vielleicht sogar eine Möglichkeit gegen die Angst anzutrainieren und was ist Angst überhaupt?

Was ist Angst?

Angst ist allem voran eine Emotion. Eine tief verwurzelte Reaktion des Körpers auf etwas Unvorhergesehenes und/oder Beängstigendes. Angst steckt in jedem Lebewesen, denn sie ist überlebenswichtig. Nur wer Angst verspürt kann in gefährlichen Situationen reagieren um sein (über)Leben zu sichern. Wer das verinnerlicht hat und nicht mehr davon ausgeht das Angst eine Verhaltensweise ist die bewusst abgerufen wird, der versteht auch wieso man Angst nicht durch Zuwendung verstärken kann.

Angenehme Emotionen können verstärkt werden, wenn Angenehmes hinzugefügt wird (z.B. ein großer Eisbecher wird noch toller, wenn man ihn mit Sahne oder Früchten dekoriert). Fügt man jedoch etwas Unangenehmes hinzu schwächt sich die angenehme Emotion an (z.B. krabbelt ein Insekt am Eisbecher).

Unangenehme Emotionen, können ebenfalls verstärkt werden wenn etwas Unangenehmes hinzukommt. Fügt man einer unangenehmen Situation aber etwas Angenehmes hinzu, wird die unangenehme Emotion abgeschwächt. Ein Verstärken der unangenehmen Emotion durch etwas Angenehmes ist neurobiologisch NICHT möglich. Somit kann das „Trösten“ eines verängstigten Hundes die Angst auch NICHT verstärken. Ignorieren hingegen schon, denn ignoriert zu werden ist für so ziemlich jedes soziale Lebewesen sehr unangenehm.

Das müssen Sie verinnerlichen!

Aber! Das Trösten des Hundes muss für ihn angenehm sein! Bedrängen Sie ihn zu sehr, nehmen ihn auf den Arm und tragen ihn herum und lösen so eine für ihn unangenehme Situation aus, verstärken sie seine Angst tatsächlich. Darum ist es wichtig zu wissen was Ihr Hund als angenehm empfindet und was nicht. Doch jeder Hundehalter der auf die Körpersprache seines Vierbeiner achtet erkennt schnell was für ihn schön ist und was nicht.

So reicht es manchem Vierbeiner einfach nah bei seinem Menschen zu sein (Kontaktliegen). Andere hingegen wollen am liebsten in ihren Menschen hineinkriechen und können gar nicht eng genug an Herrchen oder Frauchen gekuschelt sein.

Hunde die noch nicht in Stressreaktionen verfallen sind, also noch ansprechbar sind und Futter aufnehmen können, können z.B. können auch durch Leckerliesuchspiele oder das Ausschlecken eines Kongs abgelenkt werden.

Social Support

Social Support, oder einfach gesagt „soziale Unterstützung“ ist kein rein menschliches Verhalten. Es tritt in vielen sozialen Gruppen auf, so auch z.B. bei Affen oder Hunden. Diese Unterstützung bedeutet nichts anderes, als für ein Mitglied der Gruppe da zu sein, ihm körperlichen Kontakt und Zuwendung zu schenken und so den Stress zu hemmen. Dieses „Trösten“ wie man es bei Menschen nennen würde führt dazu, dass der Blutdruck gesenkt wird, der Puls runterfährt und das sogenannte „Bindungs-Hormon“ Oxytocin ausgeschüttet wird.

So helfen weniger ängstliche Gruppenmitgliedern den ängstlichen Gruppenmitgliedern durch stressige oder beängstigende Situationen. Würde dieses Verhalten nicht gezeigt werden, würden die ängstlichen Gruppenmitglieder mit der Zeit immer ängstlicher und die soziale Gruppe könnte zerfallen, denn ein verängstigtes Mitglied ist quasi „zu nichts zu gebrauchen“, da die Angst lähmend sein kann, Futter- und Wasseraufnahme können eingestellt werden und so den physischen Zustand des Betroffenen verschlechtern.

Und dieser „social Support“ ist es, der auch für unsere treuen Hunde so wichtig ist. Wir sind ihre Familie, ihre soziale Gruppe und wenn unser Vierbeiner Angst hat sind wir in der Pflicht ihm diese Angst zu nehmen oder sie zumindest zu hemmen. Unser Hund hat nur uns und er soll sich in jeder Situation auf uns verlassen können. Erst recht, wenn scheinbar draußen gerade die Welt untergeht.

Vorbereitungen für Silvester – die Desensibilisierung

Um den Jahreswechsel für unsere Vierbeiner so stressfrei wie möglich zu gestalten, sollte ein Training frühstmöglich begonnen werden. Frühstmöglich bedeutet hierbei nicht 2-3 Wochen vor dem Jahreswechsel, sondern durchaus schon im Januar. So hat man genügend Zeit, kann die Trainingseinheiten und das Erlernte festigen und gerät nicht in Stress, wenn der 31. Dezember immer näher rückt.

Doch wie sieht solch ein Training aus?

Als sehr hilfreich erwiesen haben sich sogenannte „Geräusch CDs“. Diese gibt es mittlerweile von vielen Anbietern. Alle haben jedoch gemeinsam das auf ihnen Geräusche zu hören sind, welche vielen Vierbeinern Angst machen. Nun soll man aber nicht die CD volle Pulle aufdrehen und tagelang laufen lassen und hoffen das Fiffi kapiert das nichts Schlimmes passiert. Ganz im Gegenteil: Die Geräusch CD wird fortan tagtäglich während angenehmen Tätigkeiten abgespielt. Zu Beginn extrem leise - so das die Geräusche eigentlich kaum zu hören sind (Lautstärke 1).

Wenn das problemlos geklappt hat, können Sie am nächsten Tag wieder zur Fütterung Lautstärkestufe 2 probieren. Klappt auch das problemlos können Sie an Tag 3 auf Laustärke 3 gehen. Und so weiter und so fort. Nach dem Fressen sollten Sie die Geräusche erstmal wieder abstellen. Es geht vorerst nur um die Verknüpfung von etwas Positivem mit den Geräuschen.

Sollte Ihr Hund eher auf Leckerchen abfahren, als auf sein normales Futter, können Sie beim Anschalten der Geräusch-CD Leckerchen werfen / durch die Gegen kullern lassen oder gar einen Leckerchen-Regen veranstalten. Was immer Ihren Hund glücklich macht und ihn genug von der CD ablenkt. Natürlich muss es kein Futter sein. Es kann auch eine Spieleinheit sein. Eben alles was ablenkt und für Ihren Hund sehr angenehm ist. Zeigt Ihr Hund bei einer Lautstärke Angstreaktionen, fahren Sie ruhig 3-4 Lautstärkestufen runter und beginnen von vorn.

Halten Sie durch! Es lohnt sich!!!
So können Sie das ganze „Desensibilisierungs-Training“ fortführen bis sie quasi den Lärm in Ihrer Wohnung selbst nicht mehr aushalten ;-)

Notfall-Optionen

Ein Training war nicht mehr möglich und Silvester steht vor der Tür? Auch für diesen Fall gibt es noch „Notfall-Optionen“, welche Ihrem ängstlichen Vierbeiner den Jahreswechsel erleichtern können (sortiert nach Zeitraum bis zum Jahreswechsel).

2-4 Wochen vorher:

Thunder-Shirt

Dieses sehr eng anliegende „Shirt“ übt sanften Druck auf bestimmte Nervenbahnen des Hundes aus und sorgt so für Entspannung (ähnlich wie bei der Akupressur). Damit es seine volle Wirkung entfalten kann am stressigen Silvesterabend (oder z.B. bei Gewitter – daher auch der Name) muss der Hund vorher bereits an das Shirt gewöhnt werden. Erst wird es nur kurz übergezogen und der Hund wird ruhig gelobt. Dann wird das Shirt wieder ausgezogen.

Später oder am nächsten Tag wird es wieder übergezogen und erneut beruhigend gelobt. Nun trägt der Hund es etwas länger, bevor es wieder ausgezogen wird. Der Zeitraum des Tragens wird so über 2-4 Wochen immer weiter verlängert.

Dabei sollte darauf geachtet werden keine zu hektischen oder aufregenden Dinge zu tun während der Vierbeiner das Shirt anhat, denn er soll es mit Beruhigung und Ruhe verknüpfen. An Silvester kann es dann, ganz ohne Stress, so wie die Tage davor angezogen werden und wirkt beruhigend.

Ernährung

Das die Ernährung einen großen Einfluss auf unser Befinden hat dürfte mittlerweile jedem bewusst sein. So gibt es einige Lebensmittel die beruhigend und entspannend wirken, oder schlichtweg „Nervennahrung“ darstellen. Zu ihnen gehören zum Beispiel:

- B- Vitamine (besonders Vitamin B3 wirkt auf das zentrale Nervensystem beruhigend)
Ein guter B-Vitaminlieferant ist z.B. Bierhefe. Es gibt aber auch spezielle B-Vitamin Präparate welche dem Hund gegeben werden können.

- Omega 3 Fettsäuren (sie wirken stimmungsaufhellend und werden sogar bei Depressionen und ADHS eingesetzt)
Gute Omega 3 Fettsäure Lieferanten sind Leinöl, Hanföl und Fischöl. Es gibt sie aber auch in Kapseln fertig abgefüllt zu kaufen.

- Vitamin D (ist an der Regulation des Glückhormons Serotonin beteiligt)
Es gibt nur wenige Lebensmittel die reichlich Vitamin D enthalten. Zu ihnen zählen vor allem Innereien. Um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten kann man auf Dorschlebertran oder Vitamin-D Öl oder Tropfen zurückgreifen.

- Bifidobakterien (sind die guten Bakterien im Darm)
Bifidobakterien wirken unter anderem Stimmungsaufhellend und antidepressiv. Außerdem verringern sie Ängste und Stresssymptome und können sogar die Bildung des Glückshormons Serotonin ankurbeln. Als „Nahrung“ brauchen Bifidobakterien sogenannte Präbiotika. Insbesondere Inulin und resistente Stärke sind wichtig. Diese finden sich z.B. in Topinambur, Pastinaken, Haferflocken, Vollkornbrot und Kartoffeln. Bewährt haben sich insbesondere Brottrunk und Fermentgetreide.

- Magnesium (wirkt beruhigend)
Magnesium findet man vor allem in Nüssen, Haferflocken, Vollkornbrot, Bananen und Vollkornreis.

- Zink (ist Nahrung für das Gehirn)
Ein Mangel an Zink kann zu Reizbarkeit, Unruhe oder Depressionen führen. Darum sollte stets auf eine ausreichende Versorgung mit Zink geachtet werden. Innereien, Fleisch, Kürbiskerne, Paranüsse, Eigelb und Hülsenfrüchte sind sehr zinkhaltig. Um den Bedarf eines Hundes zu decken kann es von Vorteil sein ein Mineralstoffpräparat zu zu füttern.

Rückzugsbox:

Die Rückzugsbox ist meist ein sogenannter „Kennel“. Quasi ein Käfig für zuhause. Oft haben diese Käfige einen schlechten Ruf, da man davon ausgeht das die Besitzer ihre Hunde dort lange einsperren um sie „loszuwerden“. Doch das ist gar nicht der Sinn. Es geht viel eher darum einen Rückzugsort zu schaffen, in dem der Hund abschalten kann und darf und wo er nicht gestört wird.

Dafür stellt man den Kennel dort auf, wo der Hund zwar noch in der Nähe seiner Familie ist, aber nicht ständig durch vorbeilaufende Menschen gestört wird. Man kann den Kennel mit Decken abhängen um so einen Höhlencharakter zu erzeugen. Viele Hunde mögen das.

Dann noch eine kuschelige Decke reinlegen und den Kennel mit etwas positivem verbinden –z.B. der Gabe eines gefüllten Kongs oder etwas zum Knabbern. Wenn der Hund sich dorthin zurückgezogen hat sollte er nicht gestört werden. Natürlich darf man ihn rufen zum Gassigehen, aber „bedrängen“ und „zwangskuscheln“ sollten in jedem Fall unterlassen werden.

An Silvester:

Pheromone (D.A.P.):

Das sogenannte D.A.P. (Dog Appeasing Pheromone) ist ein Hormon, welches die Hündin wenige Tage nach der Geburt an ihren Zitzen bildet. Es wirkt beruhigend und stresshemmend. Zur Angst- und Stressbewältigung bei Hunden wurde eben dieses Hormon synthetisch nachgebildet und ist als Halsband oder Zerstäuber für die Steckdose im Handel erhältlich.

Der Zerstäuber ist in der Regel die erste Wahl. Dabei wird das Mittel kontinuierlich an die Luft abgegeben und wirkt so beruhigend auf den Vierbeiner. Der Stecker sollte in dem Raum angebracht werden, in dem sich der Hund die meiste Zeit aufhält.

Rescue Tropfen / Bachblüten:

Bachblüten, benannt nach deren Erfinder Edward Bach benannt, sind Auszüge aus bestimmten Pflanzen, welche je nach Zusammensetzung eine andere Wirkung auf den Organismus haben. Im Falle der Rescue Tropfen kommt eine Verbindung aus 5 Bachblütenessenzen zum Einsatz, die beruhigend und stresslindernd wirken. Meist werden sie in Form von Tropfen verabreicht und können so schnell ihre Wirkung erzielen, da sie direkt über die Mundschleimhäute aufgenommen werden.
Ebenfalls möglich:

  • AniForte Bachblüten Five Flowers Notfall für Hunde
  • animaux daily balance für Hunde

Beruhigungsmittel:

Wenn Sie Ihren Tierarzt nach einem Beruhigungsmittel für Ihren Hund fragen, dann gehen Sie bitte sicher das er Ihnen NICHT eines dieser Mittel mitgibt:

  • Vetranquil
  • Sedalin
  • Calmivet
  • Prequillan

Diese Mittel enthalten als Wirkstoff das sogenannte „Acepromazin“! Dieser Wirkstoff schien über Jahre hinweg DAS top Mittel gewesen zu sein, was die Hunde völlig „ausgeknockt“ hat. Allerdings wurde festgestellt, dass diese Hunde nicht einen Deut weniger Angst hatten – sie waren einfach nur nicht mehr in der Lage auszudrücken wie es ihnen ergeht.

Darum bitte: FINGER WEG VON ACEPROMAZIN!!! Sie bereiten Ihrem Hund damit die Hölle auf Erden! Das ist so als würden Sie gerade operiert werden, wachen mitten in der Narkose auf, bekommen Panik, aber können sich absolut nicht bemerkbar machen.

Wenn Sie auf Beruhigungsmittel zurückgreifen müssen, weil alles andere nicht funktioniert hat, dann greifen Sie bitte auf folgende Mittel zurück:

  • Zylkène
  • Vetplus Calmex
  • Sedaselect Tropfen

Verhaltensweisen an Silvester

  • Den Hund auch schon einige Tage vor Silvester nicht mehr ableinen!
  • Die letzte Gassirunde auf den frühen Nachmittag legen
  • Möglichst gut auspowern / auslasten
  • Für Ablenkungen sorgen (Kauartikel, genügend Leckerchen, vllt. einen Kong füllen)
  • Ruhe bewahren, Ruhe ausstrahlen
  • Fenster geschlossen halten
  • Jalousien und/oder Vorhänge schließen
  • Musik oder TV etwas lauter drehen, sodass der Hund von den Knallgeräuschen draußen abgelenkt wird
  • Rückzugsorte schaffen (z.B. alle Türen offen lassen, damit der Hund entscheiden kann wohin er sich zurückziehen will)
  • Und ganz wichtig: TRÖSTEN IST ERLAUBT!!! Ihr Vierbeiner zählt auf sie
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Dieser Beitrag wurde am 29.12.2017 18:10 verfasst.

Zuletzt aktualisiert am 09.09.2018 17:06